Auf den ersten Blick ist die Jahrzehnte lange Inanspruchnahme des Parks durch das Zentrale Pionierlager nicht zu übersehen. Bungalows und andere Einbauten dominieren das Erscheinungsbild. Jedoch sind bei genauerer Betrachtung viele Elemente der ursprünglichen Gestaltung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Dem Besucher erschließt sich der historisch wertvolle Park Zschorna vor allem durch seinen Alterswert, den unter anderem die mächtigen Bäume anschaulich darstellen.
Als historische Parkanlage steht der Schlosspark Zschorna in breitem öffentlichem Interesse. Um ihn erhalten und fachgerecht pflegen zu können, ist es unabdingbar, seine Entwicklungsgeschichte zu analysieren. Dazu gehört das Sammeln und Beurteilen von Daten und Fakten aus Karten, Luftbildern, Literatur, Akten und Befragungen. Es folgt eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse. Über weitere Hinweise oder Material zur Parkgeschichte freuen wir uns.
| Die Entstehungszeit erster gärtnerischer Anlagen am Schloss Zschorna ist unbekannt. | |
| 1703 | Anfang des 18. Jahrhunderts sind erste Aussagen zu einem Garten nachweisbar. Wolf Dietrich von Beichlingen hatte neben dem Wohnhaus noch andere Lustgebäude, wahrscheinlich in einem Ziergarten. Er amüsierte sich mit vielen Gästen auf einem 16x5m großen Lustschiff und einer Insel, beides im Großen Teich. 1722 ließ er eine Orangerie für rare Gewächse, Blumen und Früchte bauen. Die zwei alten Linden vorm Eingang des Schlosses stammen vermutlich aus dieser Zeit. |
| 1801 | Eine historische topographische Karte von 1801 zeigt einen umfriedeten Ziergarten, welcher sich hinter dem Gutshof bis zu den zwei Drescherteichen erstreckte. Vermutlich handelte es sich um eine regelmäßig gestaltete Anlage mit einer breiten Allee Richtung Osten. Seitlich führte ein Weg entlang des Springbachs bis zur Brettmühle, ein anderer in den so genannten Rosengarten. Der Küchengarten befand sich jenseits der Straße. |
| 1852 | Friedrich August von Boxberg kaufte das Rittergut Zschorna und ließ das Gelände um die Drescherteiche zu einem Landschaftspark umgestalten. Der Damm zwischen den Teichen wurde durchbrochen und ging in zwei Inseln und einer Halbinsel auf. Der neue, größere Teich wurde landschaftlich ausgeformt und bildete ein wichtiges Gestaltungselement. Es gab ein eigenes Gärtnerwohngebäude und ein Gewächshaus mit wertvollen Pflanzen. |
| um 1860 | Ein Kupferstich um 1860 zeigt das Schlossumfeld mit einer hölzernen Bogenbrücke über den Schlossgraben, daneben eine großen Linde, Pyramiden-Pappeln und gepflegten Grünanlagen. Ein kleines hölzernes Lusthaus befand sich an der Stelle des heutigen Pavillonanbaus. |
| 1883 | Der Bau einer Villa südlich des Drescherteichs zog eine entsprechende Freiraumgestaltung dieses Bereichs nach sich: Wegeanbindung, kreisrunder Vorplatz, Verwendung von Koniferen. 1883 wurde der Landschaftspark erstmals kartographisch dargestellt. Charakteristisch für eine landschaftliche Anlage aus der Mitte des 19. Jahrhunderts verliefen die Wege in großen Schwüngen abwechslungsreich am Ufer, durch Gehölzbestände und Lichtungen. |
| um 1900 | Die Verlagerung des Gutshofs ermöglichte eine direkte Sichtbeziehung zwischen Schloss und Park. Diese Sichtachse war von kulissenartig gestaffelten Gehölzgruppen eingefasst. Es gab auch andere reizvolle Ausblicke, z.B. vom Schloss über den Mühlteich bis zum Breiten Teich. |
| 1905 | Begräbnis des Ulrich von Boxberg am Fuße des Aussichtshügels am Kesselteich. Das Grab bestand aus einer schwarzen, leicht gewölbten Grabplatte mit aufgesetzten Buchstaben und Wappen aus Bronze. Ein kunstvoller gusseiserner Zaun mit einer Pforte umgab diese Grabplatte zur Zierde. Zur würdigen Rahmung der Grabstelle wurde der Hügel im Hintergrund mit Eiben bepflanzt. |
| 1910 | Die Villa im Schlosspark brannte ab. Sie wurde vermutlich aufgrund der gerade abgeschlossen Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen im Schloss nicht wieder aufgebaut. |
| 1936 | Zwangsverkauf des Guts Zschorna. Der Park wies sehr alte Baumbestände auf und wurde als Naturschönheit von Naturfreunden viel besucht. Es soll auch eine Fontaine im Kesselteich gegeben haben. Welche Auswirkungen die anschließende Nutzung des Objekts als Bannlager und Arbeitsdienstlager für Maiden für den Park mit sich brachte ist unbekannt. |
| um 1950 | Der Wirtschaftshof südlich des Schlosses wurde teilweise abgerissen. Als Ergänzungsbau an das verbliebene Wohngebäude errichtete man in den 1950er Jahren auf den alten Fundamenten einen Küchentrakt und einen offenen Speisesaal. Im Park wurden Zeltlager veranstaltet. Die Parkpflege beschränkte sich wahrscheinlich auf das Schlossumfeld und die Wiesenmahd im Sommer. |
| ab 1975 | Die Nutzungserweiterung vom Zeltlager „Oleg Koschewoi“ zu dem Zentralen Pionierlager „Georgi Dimitroff“ ging einher mit umfangreichen Veränderungen und Verlusten der Parksubstanz. Es wurden insgesamt 78 Bungalows, Sanitärgebäude, Wirtschaftsgebäude und Garagen im Park errichtet. Der Wegeverlauf wurde teilweise verändert, die Hauptwege asphaltiert. Die zwei Inseln wurden zu einer lang gezogenen Insel verbunden, über eine Brücke erschlossen und mit drei Bungalows bebaut. Den Parterrebereich nutzte man als Appellplatz, errichtete ein Thälmann-Ehrenmal, beseitigte das Grab. Es gab verschiedene Einbauten zur Freizeitgestaltung wie beispielsweise Kegelbahn, Schießstand, Bootsanleger und Tischtennisplatten. Nicht zuletzt wurde die wichtige Sichtbeziehung zwischen Schloss und Drescherteich durch den Bau einer Freilichtbühne mit Zuschauerhügel und Filmvorführhaus erheblich gestört. |
| 1990 | Seit der Wende finden keine Pionierlager mehr statt, das Gelände war weitestgehend ohne Pflege und verwilderte stark. |
| ab 2001 | Seit 2001 laufen die Bemühungen um die Erhaltung und Instandsetzung der Schlossparkanlage und um die Sicherstellung der laufenden Pflege des Gartendenkmals (Wiesen, Wege, Gewässer und Gehölze). |









